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PIANO SONGS Franz Schubert (arr. by Franz Liszt) |
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KLASSIK HEUTE (23.10.2009) Silke Avenhaus umreißt die Charakteristik Mendelssohns und Schuberts folgendermaßen: „Mendelssohn hat in seinen Liedern ohne Worte, in denen er innerlich Wort-Ton-Gebilde mitdenkt, Stimmungsbilder geschaffen, Schubert hat darüber hinaus Seelenlandschaften ausgebreitet.“ Ihre daraus erwachsenden, gestalterisch verantwortungsbewussten Interpretationen scheinen fernab vordergründiger Schwelgerei auf einem instinktiven Wissen um die Gefühlslagen eines Mendelssohn und Schubert zu beruhen. Wie unverstellt und tiefenscharf diese gerade in den Lisztschen Schubert-Bearbeitungen unter den Händen der Pianistin hervortreten, ist ein Ereignis. Liszts Bearbeitungen sind höchste Erzählkunst. Bei allem virtuosen Sendungsbewusstsein verwirklicht Liszt vor allem in Klang und Ausdruck stets die poetische Idee der Lieder. Er dichtet an ihr und der musikalischen Struktur tonmalerisch weiter und schafft somit neben der getreuen Liedaufnahme jeweils auch ein ästhetisch selbstständiges Klavierstück mit klanglichen und emotionalen Landschaften von großer Eindringlichkeit. So etwa in Der Wanderer D 489. Silke Avenhaus gelingt es hier, wie auch in dem atmosphärisch verwandten Lied ohne Worte op. 62 Nr. 3 Felix Mendelssohns, auf geradezu hypnotisierende Weise, Drängendes und Versonnenes als sich gegenseitig bedingende Momente vorzuführen. Nicht die kleinste Tonfolge klingt beiläufig, ebenso wenig in der beinahe greifbaren Ungeduld des gleichnamigen Schubert-Lieds D 795/7 und Mendelssohns Lied ohne Worte op. 38 Nr. 5. Trotzdem wirkt Silke Avenhaus’ faszinierend hellhöriges und den vokalen Duktus Schuberts/Liszts und Mendelssohns wunderbar betonendes Spiel keineswegs minutiös durchgeplant, sondern spontan. Nicht der geringste atmosphärische Umschwung bleibt der Künstlerin verborgen, was sich beispielsweise in den Werkpaaren Liebesbotschaft D 957/1 und Lied ohne Worte op. 38 Nr. 3 sowie Ständchen D 957/4 und Lied ohne Worte op. 67 Nr. 2 hervorragend nachverfolgen lässt. Natürlich könnte man sich auch darüber auslassen, mit welch artikulatorischem Feingefühl und ausgesuchter Tongebung Silke Avenhaus Übereinstimmungen rhythmischer, melodischer oder motivischer Natur zwischen den Werken Schuberts und Mendelssohns aufspürt und hörbar macht – etwa das in eine jeweils andere emotionale Richtung weisende motorische Element innerhalb Schuberts Gretchen am Spinnrade D 118 und Mendelssohns Lied ohne Worte op. 67 Nr. 4. Mich packt jedoch in erster Linie der gestalterische Atem der Pianistin, der über die einzelnen Werkpaare hinaus das gesamte Programm mit nie erlahmender Intensität überspannt: Eine sinnstiftende wie sinnliche Programmzusammenstellung, in der man Dank Silke Avenhaus’ kunstvoller wie berührend natürlicher Klangrede das Unausgesprochene und Unaussprechliche zu verstehen glaubt – so, als hätte die Pianistin Eichendorffs Zauberwort getroffen.
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