NDR Kultur, Neue CDs, 02.03.2009
Von Marcus Stäbler
Das Arcanto-Quartett spielt Brahms
Obwohl das Arcanto-Quartett erst vor fünf Jahren gegründet wurde, gehört es bereits zu den international herausragenden Kammermusikensembles. Die Geiger Antje Weithaas und Daniel Sepec, die Bratscherin Tabea Zimmermann und der Cellist Jean-Guihen Queyras sind alle für sich gefragte Solisten - und treffen sich sechsmal im Jahr, um gemeinsam die Meisterwerke der Quartettliteratur zu erkunden. Nach der mitreißenden Bartok-Einspielung von 2007 ist nun eine neue Aufnahme mit dem ersten Quartett und dem Klavierquintett von Brahms erschienen.
Große Leidenschaft und jugendliches Feuer
"In dieser Musik, da ist unglaublich viel Liebe, das ist liebevoll wie kaum eine andere Musik - und dann doch geht die Musik auf eine Weise, die unvermeidbar ist", meint Queyras. Die Musik von Brahms entfaltet hier einen unglaublichen Sog. Weil das Arcanto-Quartett und seine Klavierpartnerin Silke Avenhaus den Notentext wirklich als Sprache verstehen: eine Sprache mit wichtigen und weniger wichtigen Wörtern, in der es immer eine Aussage gibt. So erzählt das Klavierquintett des damals 33-jährigen Komponisten Brahms unverkennbar von großer Leidenschaft und jugendlichem Feuer.
Das Klavier und die vier Streicher verschmelzen zu einer äußerst homogenen Einheit. Dass die Musiker hier jeden solistischen Geltungsdrang hinter sich lassen und ganz im gemeinsamen Klang aufgehen, ist unverkennbar - und genau das macht für Queyras auch den besonderen Reiz der Arbeit aus: "Das ist Musik, wie ich es mein Leben lang geträumt habe. Das sind Freunde, mit denen man genau auf derselben musikalischen Wellenlänge ist. Da gibt es ganz viel, was man eigentlich gar nicht proben muss, weil es von vornherein klar ist."
Hohe Intensität
Die Interpretation des Klavierquintetts ist von einer sehr gemeinsamen Klangvorstellung beseelt - und die zeigt sich mindestens genau so stark im ersten Streichquartett von Brahms. Das ausdrucksvolle, geradezu gestische Musikverständnis ist schon zu Beginn des ersten Satzes zu hören: Das Anfangthema drängt in mehreren Anläufen, aber einem einzigen Spannungsbogen unerbittlich voran, bis es auf dem Höhepunkt angelangt ist.
Nach der Klimax dann ein ganz anderer Ton: Das Arcanto-Quartett beschränkt die Kontraste nicht auf eine Dimension, Forte-Passagen sind nicht einfach laut, sondern kraftvoll und expressiv, leise Stellen nicht einfach leise, sondern ganz weich und innig - wie zum Beispiel kurz nach Beginn des zweiten Satzes zu hören. Mit dem Eintritt des Pianissimo erzeugen die Musiker hier einen herrlichen Farb- und Stimmungswechsel.
Auch in ganz zurückgenommenen Passagen behält die Darbietung ihre hohe Intensität. Wunderbar etwa, wie die vier Streicher auch im zarten Wisperton zusammen atmen und seufzen. Hier hat die Musik wieder diese besondere, sprachhafte Qualität.
www.klassik.com
Kritik von Tobias Roth, 07.02.2009
Mehr als die Einzelheiten der Summe
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Das Arcanto Quartett musiziert im zweiten Werk der CD, dem Klavierquintett f-Moll op.34 mit Silke Avenhaus. Mit der Karlsruher Pianistin, die an der Musikhochschule München lehrt, und ebenso die internationalen Bühnen mit Regelmäßigkeit besucht, spielt das Ensemble weiterhin auf diesem hohen Niveau. Die dunkle Tönung des grüblerischen 'Allegro non troppo' greifen in das Ohr und bis weit dahinter: und gerade im Dialog des Klaviers mit den Streichern wird das je leiser, je dringlicher, je delikater koloriert.
Etwas abgewetzt kommt die Binsenweisheit daher, das Ganze sei mehr als die Summe der Teile; das klingt nach dem ebenso weisen Aperçu, ein Buch sage mehr als tausend Worte. Obwohl sich jenes als Redensart verfestigt hat, stimmt es selten, und ein Detail begeistert oft mehr, als der Gesamteindruck. Hier aber muss man es doppelt behaupten: Das Quartett und das Quintett sind mehr als die bloße Summe der Musiker, aber, und das macht die Qualität, Brahmsens Werke werden dadurch mehr als die Aufrechnung aller schönen musikalischen Details und Momente.
BR-online / bayern4-Klassik
Von Miriam Stumpfe, 21.02.2009
Feinfühliges Geben und Nehmen
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Auch hier [...im Quintett] beeindruckt das Arcanto-Quartett durch feinfühliges Geben und Nehmen untereinander. Doch, animiert durch die Attacke des Klaviertons, lassen sich das Ensemble und Avenhaus zu hartnäckigem Biss und schneidender Schärfe herausfordern. Dass sie sich auch dabei kontrollieren und in den leidenschaftlichen Gesten nicht verlieren, gibt diesen Attacken umso mehr Nachdruck. Eine hochkonzentrierte, dichte Brahms-CD.
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